In Blumentöpfe urinieren: Bald auch in Bern? – BERNER ZEITUNG

Stehen in Bern schon bald Pissoirs in Form von speziellen Blumentrögen? Diese Idee aus Paris hat das Interesse des Berner Gemeinderats Reto Nause geweckt.

In der Bundesstadt werden am Wochenende mobile Pissoirs aufgestellt, die das Wildpinkeln von Partygängern in Grenzen halten sollen. In Paris weiss man sich anders zu helfen: Dort stehen in einer Testphase zwei Exemplare der sogenannten «Uritrottoirs» bereits im Einsatz.

Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Pissoir ist bei diesem Urinal der obere Teil mit Blumen bepflanzt. Unten im Bio-Pissoir befindet sich eine Box mit Sägemehl, die den Urin aufsaugt. Die vollgesogene Masse soll anschliessend kompostiert werden können. Die Tröge gibt es in drei Grössen, der grösste soll Urin von 600 Personen – rund 240 Liter – aufnehmen können.

Der Gemeinderat Reto Nause ist von der Idee angetan. «Äusserst innovativ» seien die Pissoir-Blumentöpfe, sagt er gegenüber «20 Minuten». Die Wildpinkler seien ihm schon lange ein Dorn im Auge: «Das öffentliche Urinieren ist in der Stadt Bern ein riesiges Problem – diese Uritrottoirs sind vielleicht ein Beitrag zur Lösung», so Nause. Er werde das Projekt in naher Zukunft genauer unter die Lupe nehmen.

«Die Idee ist prüfenswert», lässt sich auch der Stadtgrün-Vertreter Walter Glauser in «20 Minuten» zitieren. Die Bewirtschaftung, allfällige Standorte und die detaillierte Funktion müssten aber genaustens studiert werden.

«Wildpisser» sind in Bern schon lange ein Problem

In Bern ist das wilde Urinieren seit langem ein Thema. Weil es zu wenig öffentliche Toilettenanlagen gibt, pinkeln Nachtschwärmer in Laubengänge, verwinkelte Gassen und Gebäudeeingänge. Die Reinigung der Laubengänge kostet die Stadt etwa 100’000 Franken pro Jahr, wie Nause 2012 bekanntgab.

Etwas besser wurde es dank mobilen Pissoirs, die am Wochenende an den Nachtschwärmer-Hotspots aufgestellt werden. Darüber hinaus interessierte sich Nause 2012 auch für versenkbare Pissoirs. St. Gallen hat diesbezüglich gute Erfahrungen bei Fussballspielen gemacht. Der sogenannte Urilift kann mit einem Schlüssel hochgefahren und nach der Abreise der Fans wieder versenkt werden.

Das Stadtberner Tiefbauamt habe die Idee ebenfalls geprüft, aber insbesondere aus Platzgründen verworfen, erklärte der stellvertretende Generalsekretär Simon Küffer am Donnerstag auf Anfrage. «In der Innenstadt würden versenkbare Pissoirs mit den Infrastrukturen im Untergrund kollidieren.» (flo/sda)

Posted on 9 février 2017 in Presse, Suisse

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